Mein zweites Youtube-Video

      2 Kommentare zu Mein zweites Youtube-Video

Abende lange Bilder suchen, Animationen erstellen, recherchieren, texten, einsprechen und schneiden. Nach 5 Monaten ist mein zweites Youtube-Video endlich fertig. Und im Vergleich zu Ludwig XIV. Ist es ein Quantensprung…

Hannibal vor dem Hintergrund der AlpenSo langsam verstehe ich, warum Youtuber wie CPG-Grey nur ein Youtube-Video pro Monat produzieren. Ein halbwegs professionelles Youtube-Video zu produzieren ist langwierig und aufwändig. 5 Monate hat es nun gedauert, bis ich mein neues Video fertig stellen konnte. Und auch wenn sich die lange Zeit hauptsächlich dadurch erklärt, dass ich mir neues Soundequipment anschaffen musste, zeigt es auch, wie viel Aufwand das Video gekostet hat. Aber das Ergebnis kann sich sehen lassen. Im Vergleich zu meinem ersten Video hat die Produktionsqualität einen Quantensprung gemacht. Hauptsächlich lag das am besseren Soundequipment und an den Zoom und Bewegungseffekten. Die lange Vorbereitungszeit hat allerdings in allen Phasen für Schwierigkeiten gesorgt.

Konzept

Ein Thema für ein Video zu finden ist nicht schwierig. Die Geschichte bietet hundert von interessanten Themen und für einige von ihnen gibt es nach wie vor viel Interesse. Auch im Internet. Das sieht man alleine daran, wie viele aus dem Fernsehen geklaute Dokumentationen bei Youtube hoch geladen werden, und wie viele Klicks sie bekommen. Das Konzept für ein Video zu machen, stellt sich manchmal als schwierig heraus. Insbesondere wenn man über Monate nicht in die entscheidende Aufnahme-Phase gehen kann. Das verleitet dazu immer neue Ideen, immer neue Inhalte, immer neue Konzepte zu entwickeln und alten Schritt für Schritt zu verwerfen. So kann ein Text leider leicht überquillen.

Bildrecherche

Die mit Abstand zeitaufwändigste Phase ist mit Sicherheit immer noch die Recherche von verwendbarem Bildmaterial. Amerikanische Youtuber haben es sehr leicht, weil nach amerikanischem Recht historische Gemälde 70 Jahre nach dem Tod ihres Schöpfers in die Public Domain übergehen und außerdem alle Kunsterzeugnisse von Bundes-Angestellten in gemeinfrei werden und damit der Allgemeinheit zur Verfügung stehen. Dank dem Reiss-Engelhorn Museum und einem Grundsatzurteil des OLG Berlin, dass es im letzten Mai durchsetzte, ist die Kultur-Blogger und Vlogger-Szene in Deutschland hingegen stark eingeschränkt. Verwendbares historisches Bildmaterial zu finden, ist dadurch extrem schwierig und zeitaufwändig geworden. Zum Glück habe ich mit der Zeit Plattformen und Anbieter gefunden, die sich im Gegensatz zu deutschen Museen, für die Verbreitung von Kulturgütern einsetzen.

Soundequipment

Bei der Auswahl des richtigen Soundequipments (das musste ich im letzten Monat lernen) kann man sehr viel falsch machen. Besonders wenn man Linux als Betriebssystem verwendet, muss man von jedem einzelnen Teil darauf achten, ob es mit der Software auch steuerbar ist. Trotz der kompetenten Beratung von Andreas Broede, hat es ein paar Fehlanläufe gekostet, bis die Technik richtig lief. Aber mittlerweile bin ich mit meinem Focusrite scarlett Mono, dem Haus-Mikrofon von Thomann, Mikrofonständer, Spinne und Poppschutz hochzufrieden. Mit der Audiotechnik richtig umzugehen ist mit Sicherheit noch ein Lernprozess. Doch schon jetzt hört man den deutlichen Fortschritt zum ersten Video.

Text

Mit einem guten Konzept schreibt sich ein Text wie von selbst. Die einzige Ausnahme: Man ist gezwungenermaßen 5 Monate mit Konzept und Script beschäftigt. Dann kann es vorkommen, dass man das gesamte Script am Ende 3 mal neu schreibt…

Mit dem Endergebnis bin ich weit gehend zufrieden. An einigen Stellen habe ich mich aber glaube ich vom Erzählfluss hinreißen lassen, und zu ausschweifende oder blumige Formulierungen verwendet. Beides: Die ausschweifende Formulierung und die ständig neuen Ideen haben leider dazu beigetragen, dass sich das Video arg in die Länge gezogen hat. Glücklicherweise habe ich noch die Reißleine gezogen, und es in zwei Teile aufgeteitl

Einsprechen

Seine eigene Stimme klingt aufgenommen immer furchtbar. Wenn man sich selbst oft aufgenommen reden hört, verschwindet dieser Effekt aber langsam. Schon nach meinem ersten Video hatte ich das Gefühl, dass meine Stimme sehr angenehm klingt. Einen Text richtig vorzulesen ist Arbeit und braucht Übung und viele Fehlversuche. Mit meinem Endergebnis bin ich aber hoch zufrieden.

Bewegung und Zoom, die Effekte

Der Hauptfaktor für den Quantensprung. Ich muss gestehen, dass ich für die Produktion dieses Videos überhaupt erst verstanden habe, wie mein Schnittprogramm KDEnlive funktioniert. Wenn man hier etwas Zeit und Mühe reinsteckt, sieht das Endergebnis doch beeindruckend aus: Bewegungen, Zoomeffekte, einblendende Schriftzüge. All das lässt das Video einfach viel professioneller aussehen. An einigen Stellen war ich selbst überrascht, was man mit einem simplen Kameraeffekt erreichen kann. (Goldhaufen oder Soldaten, werden im richtigen Moment auf der Karte eingeblendet, die Kamera fährt von der Rede eines Senatoren zu einem Kriegszug des gleichen Senatoren, die Kamera führt von der Streitmacht von Scipio zu der von Hannibal und dieser taucht exakt dann auf, wenn im Sprechtext von Hannibal die Rede ist)

Die Flaws

Bestimmte Fehler im Video sind leider nicht von der Hand zu weisen. Mit über 20 Minuten ist es selbst für den ersten Teil eines Youtube Video deutlich zu lang. Symptomatisch war, als ich das Video einem Freund von mir geschickt habe, und der meine „er schaue es sich irgendwann an“. Das läuft dem Konzept eines Youtube-Videos. Ein Youtube-Video muss kurzer „snackbarer“ Content sein. Man schaut ein Youtube Video entweder jetzt oder nie. Teilweise waren zu lange Quellenstellen für die Überlänge verantwortlich. Viel ist aber auf den Effekt zurück zu führen, den ich schon beschrieben habe: Wenn die Produktionsphase eines Videos zu lange dauert, neigt man dazu immer mehr einfließen zu lassen.

Kleinere Fehler (wie dass der römische Konsul Tiberius Longus vor seiner entscheidenden Schlacht nicht explizit eingeführt, sondern nur eingeblendet wird) schränken den Video-Genuss glaube ich nur peripher ein.

Was noch kommt

Es gibt einen Faktor, der objektiv noch verbessert werden muss: Ich brauche für meine Videos eine vernünftige Hintergrundmusik. Solche Musik gegen die eigene Erzählstimme in einem vernünftigen Verhältnis abzumischen ist nicht leicht. (habe ich schon beim ersten Video versucht, und damals aufgegeben) Doch passende Hintergrundmusik würde viel mehr Stimmung und Atmosphäre schaffen. Der Mehrwert für den Zuschauer ist so groß, dass ich es für mein übernächstes Video wieder aufnehmen werde.

Die Zoom und Wacklereffekte sind so effektiv, dass ich sie zukünftig noch konsequenter auch auf kleine Bilder setzen werde.

Fazit

Ich bin auf mein Video mächtig stolz. Ich bin der Meinung vor 20 Jahren (bevor es Histoteinmant und Drohnen-Kameras gab) hätte ein solches Video als Dokumentation im Fernsehen laufen können. Der zweite und letzte Teil meiner Hannibal-Serie wird jetzt schnell kommen. Wahrscheinlich schon nächstes Wochenende. Die Bilder dafür liegen alle vor. Und die Tonspur ist schon zu 80% aufgenommen. Es fehlen nur noch Einleitung/Überleitung und Schluss.

Für meine zukünftigen Videos stehe ich dann vor einer Grundsatzentscheidung. Entwickle ich den Stil meiner Videos noch weiter in Richtung einer historischen Dokumentation im Fernsehen? Das würde bedeuten, dass ich zukünftig 4-6 teilige Videoreihen machen, in denen ich ein Thema ausführlich erzähle und im Detail aufbereite. Oder gehe ich wieder zurück zu kurzen, prägnanten Informationsvideos im Stile von „Geschichte in 5“ oder „Jule Sommersberg„.

Ihr dürft mir gerne in die Kommentare schreiben, was eurer Meinung nach besser wäre.

2 thoughts on “Mein zweites Youtube-Video

  1. Oliver

    Da du ohnehin überlegtest, einen zweiten Kanal zu eröffnen, könntest du doch beide Ideen verfolgen. Längere ausführliche Doku-Serien für Themen, die sich einfach nicht kurz gestalten lassen und die kürzeren prägnanten Videos da, wo man mit dieser Form eher die Aufmerksamkeit der Leute packt. Die Dokus kämen dann ca. einmal im Monat heraus, da hier selbstredend der Produktionsaufwand deutlich höher ist und die anderen nach persönlichem Ermessen?

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    1. ThomasMorus1478ThomasMorus1478 Post author

      Danke für die Einschätzung Oli. Haben mir auch schon andere Leute auf diesen Artikel hin vorgeschlagen.

      Leider ist der Zeit- und Produktionsaufwand für so ein Video ziemlich viel höher, als du dir wahrscheinlich vorstellst. In einem Monat hätte ich höchstens Zeit für „entweder“ eine längere Doku-artige Reihe von Videos „oder“ für mehrere kurze Videos.

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